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Schüchternes Kind? Na und!

Wenn ein Kind schüchtern ist, befürchten häufig die Eltern, dass es in unserer Leistungsgesellschaft später nur Nachteile hat. Setzt sich im Normalfall doch immer derjenige meistens durch, der lautstark seine Meinung kundtut. Aber ist das wirklich so oder nur ein Klischee?

Vier Kinder spielen gemeinsam in der Sandkiste, nur der fünfjährige Simon weicht kaum von Mamas Seite. Mit Mühe kann sie ihn zum Schaukeln überreden, doch um seine Altersgenossen macht er einen großen Bogen. Simon ist extrem scheu und zurückhaltend. Kinder, die so sind, haben meist Probleme mit ihrem Selbstwertgefühl. Sie sind unsicher und fürchten, abgelehnt zu werden. Vielleicht haben sie schon früh schlechte Erfahrungen gemacht und wollen kein "Mir dir spielen wir nicht!" mehr riskieren. Vielleicht haben sie auch nur nie gelernt, wie sie Kontakt zu anderen aufnehmen können.

ImageDabei steckt Schüchternheit häufig bereits in den Genen. Schon Babys reagieren unterschiedlich auf Neues: Die einen freuen sich, die anderen verziehen das Gesicht. Das ist für viele Eltern scheuer Kinder kein Trost: Sie haben Angst, dass ihr Kind in unserer Leistungsgesellschaft, wo man seine Meinung lautstark kundtut, zu kurz kommt. Diese Angst ist jedoch unbegründet: Auch wenn die Zurückhaltenden den Selbstbewussten anfangs tatsächlich ein wenig hinterherhinken, können sie als Erwachsene aber dennoch genauso erfolgreich sein.

Eltern können ihr Kind jedoch dabei unterstützen, mehr Selbstbewusstsein aufzubauen. Aber Vorsicht: Druck zu machen, ist kontraproduktiv! Es sollte nicht heißen: "Jetzt sei doch nicht so schüchtern. Trau dich mal.", sondern lieber so etwas wie "Schau mal, da vorn ist doch die Mia, die kennst Du doch. Wollen wir mal schauen, was sie da spielt?" Kinder, wie im obigen Beispiel der fünfjährige Simon, brauchen Zeit, die Welt in ihrem eigenem Tempo zu erkunden. Der erste feste Partner, der erste richtige Job - all dies kann statistisch gesehen in der Tat etwas später erfolgen. Um Offenheit und Selbstvertrauen zu üben, kann man jedoch Folgendes tun:

· Ein einfacher Trick ist, sein schüchternes Kind morgens als erstes im Kindergarten zu bringen. Nach und nach trudeln die anderen Kinder der Gruppe ein. Es ist keine geballte Unruhe da, die Kontaktaufnahme geschieht langsam mit zunächst einzelnen Kindern und in entspannter Atmosphäre. Das Gleiche gilt natürlich auch für andere Kindergruppen, sei es beim Turnen am Nachmittag oder im Musik-Unterricht u.a.
· Wenn man auf andere Kinder (z.B. auf dem Spielplatz) trifft, sollte das scheue Kind genug Zeit zum Beobachten, zum Beschnuppern und zum langsamen Vortasten haben. Auf keinen Fall sollte es unter Druck gesetzt werden!
· Um eine langsame Kontaktaufnahme zu erleichtern, sollte das Kind nicht isoliert werden. Eine Möglichkeit ist, ein Kind aus dem Kindergarten, mit dem sich das schüchterne Kind gut versteht, als Spielbesuch einzuladen. In vertrauter Umgebung ist es häufig leichter, die Schüchternheit abzulegen. Zunächst kann ein Elternteil beim Spielen dabei sein, später sollte man sich als Erwachsener jedoch zurückziehen, und die Kinder alleine weiterspielen lassen. Natürlich kann Spielbesuch auch aus der Nachbarschaft oder der Schule sein.
· Auch wenn es zunächst nicht einfach ist: Hin und wieder sein Kind mit zu befreundeten Familien zu nehmen oder gemeinsam Bastel-, Musik- oder Kindergruppen zu besuchen, kann nach und nach die Scheu nehmen. Wichtig ist es auch, dass das schüchterne Kind erlebt, dass seine Eltern z.B. kein Problem mit der Kontaktaufnahme haben.

Hilfreiche, aber auch sehr nette Lektüre für kleine Betroffene und interessierte Eltern...

Das farbenfrohe Bilderbuch „Trau dich, Koalabär!“ von Rachel Bright und mit großartigen Illustrationen von Jim Field wurde hervorragend aus dem Englischen von Pia Jüngert übersetzt. Ihr gelang es wunderbar die gereimten Vierzeiler sinnvoll umzusetzen. Das Buch beschäftigt sich mit dem kleinen Koalabär Kimi, der der heimliche König des Dschungel ist: nämlich König Bewegungslos! Seinen geliebten Eukalyptus-Baum hat er noch nie verlassen, denn hinter jeder Veränderung vermutet er eine Gefahr. Doch dann wird sein gesamtes Leben auf den Kopf gestellt – und Kimi erkennt, dass etwas Neues auch durchaus schön sein kann… Das 32-seitige gebundene Buch aus dem Magellan Verlag eignet sich für Kinder ab 3 Jahren und kostet 14 Euro (ISBN 978-3-7348-2028-1).

Ängstliche Katzen gibt es anscheinend wie Sand am Meer. Manche haben Angst vor Vögeln und Mäusen, andere wissen nicht, wie man auf Bäume klettert (und vor allem nicht, wie man wieder herunterkommt...), sie schnurren und springen nicht. Die liebenswerte Henriette bringt ihnen in ihrem neu eröffneten Heim für schüchterne und ängstliche Katzen alles bei, was eine mutige Katze wissen muss. Wie gut, denn bald braucht sie dringend Hilfe von ihren vierbeinigen Freunden… Das niedliche Bilderbuch „Henriettes Heim für schüchterne und ängstliche Katzen“ von Alicia Potter und mit Illustrationen von Birgitta Sif (aus dem Englischen von Ulli und Herbert Günther) hilft kleinen Menschen, sich mit den niedlichen Vierbeinern zu identifizieren. Erschienen ist die ermutigende Geschichte im Gerstenberg Verlag, ist für Kinder ab 4 Jahren geeignet und kostet 12,95 Euro (ISBN 978-3-8369-5888-2).

Klein zu sein ist nicht immer einfach. Wer könnte das besser wissen als die Maus? Man wird vergessen, übersehen und geschubst. Doch eines Tages hat die Maus die Nase voll! Wenn sie doch nur so brüllen könnte wie der Löwe, dann würde ihr das nicht mehr passieren! Sie fasst all ihren Mut zusammen und beschließt, den mächtigen Löwen zu besuchen. Denn wer könnte ihr das Brüllen besser beibringen als der Löwe höchstpersönlich? Am Ende ihrer abenteuerlichen Reise macht die Maus eine Entdeckung: Man muss gar nicht groß und stark sein, um seine eigene Stimme zu finden… Das äußerst niedliche Bilderbuch richtet sich an kleine Angsthasen ab 3 Jahren. Die schöne Geschichte von Rachel Bright offenbart, dass selbst die Mutigsten unter uns durchaus ihre Ängste haben. Das wiederum kann unglaublich viel Mut machen. Zudem ist das 32-seitige, gebundene Buch sehr hübsch illustriert (wieder Jim Field), was über die diesmal nicht ganz perfekten deutschen Reime locker hinwegtröstet (Übersetzung ebenfalls von Pia Jüngert). „Der Löwe in dir“ ist im Magellan Verlag zum Preis von 13,95 Euro erschienen (ISBN 978-3-7348-2021-2).

Die kleine Frieda liebt das Tanzen. Immer wenn sie allein war, übte sie ihre Tanzschritte, doch sobald Menschen um sie herum waren, fühlte sie sich beobachtet und vergaß darüber das Tanzen. Das machte sie traurig. Als sie eines Tages einem Mädchen zuhörte, das wunderschön singen konnte, fragte sich Frieda, ob auch sie anderen mit ihren Tänzen Freude bereiten könnte. Und von da an tanzte sie überall und mit allen Menschen, die ebenfalls gerne mittanzen wollten… Eine berührende Geschichte, die verdeutlicht, wer trotz Schüchternheit seine Träume lebt, wird Wunderbares erfahren dürfen. Ein Buch, das auf liebenswerte Art ganz viel Mut für mehr Selbstvertrauen fördert. Sehr schön! Erschienen ist „Frieda tanzt“ im Aladin Verlag zum Preis von 12,95 Euro und ist für Kinder ab3 Jahren geeignet (ISBN 978-3-8489-0084-8).

Im Ratgeber „Starke Kinder“ von Ingeborg Saval finden Eltern fantasievolle Übungen, die Kindern von 5 bis 11 Jahren helfen, an den großen und kleinen Herausforderungen des Alltags zu wachsen. „Wir Eltern wünschen uns selbstbewusste, starke Kinder und bemühen uns tagtäglich, unseren Kindern beizustehen und sie fit fürs Leben zu machen“, weiß die Autoin. Gleichzeitig wird Kindern oft früh viel Selbständigkeit abverlangt. Die Pädagogin hat hilfreiche „Kraftsets“ für Kinder und Eltern entwickelt, die aus einer entspannenden Wohlfühlübung, einer fantasievollen Geschichte und einem Stärkerezept aus Zauberspruch und Klopfakupressur bestehen. Sie stärken das Selbstvertrauen und helfen Stress, Sorgen und Ängsten zu begegnen. Fazit: Die Ideen von den Kraftsets sind klasse. Man muss nicht das ganze Buch durchlesen, um das für die Situation passende Kraftset zu finden und anzuwenden. Die Autorin führt nicht oberlehrerhaft das Zepter, sondern geht sensibel auf ihre Leser ein: Alles kann, nichts muss. Eine uneingeschränkte Empfehlung! Erschienen im TRIAS Verlag zum Preis von 17,99 Euro (176 Seiten, Broschur, ISBN 978-3-8304-6951-3).

QUELLEN:

  • Text: u.a. "Das Erziehungs-ABC von Angst bis Zorn" von Petra Stamer-Brandt & Monika Murphy-Witt (Gräfe und Unzer, ISBN: 978-3-8338-1661-1, 12,90 Euro)
  • Fotos: 1. Nicole Celik 2. Günter Havlena - beide www.pixelio.de
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