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Kindererziehung
Schläge machen Kinder dumm
ImageWenn Eltern häufig ihre Kinder schlagen, schädigen sie deren Intelligenz und Psyche. Wissenschaftler vermuten, dass Stress und Angst, die Kinder bei diesen gewalttätigen Übergriffen empfinden, schuld daran sind.

Das haben Forscher der University of New Hampshire auf der Internationalen Konferenz zu Gewalt, Missbrauch und Trauma in San Diego berichtet. Nach ihren Studien führt das Geschlagenwerden auch noch Jahre später zu einer messbar geringeren Intelligenz. "Je öfter Kinder geschlagen werden, desto langsamer verläuft ihre geistige Entwicklung", so Forschungsleiter Murray Straus. Die häufigen Stress- und Angstzustände, denen geschlagene Kinder ausgesetzt sind, könnten eine wichtige Ursache für diesen Zusammenhang bilden.

Untersucht wurde das zunächst in den USA mit insgesamt 1.500 zwei- bis vierjährigen sowie fünf- bis neunjährigen Kindern, die man repräsentativ für ihre Altersgruppe auswählte. Beide Gruppen durchliefen im Abstand von vier Jahren zweimal einem Test zur Ermittlung des Intelligenzquotienten (IQ). Bei den anfangs zwei- bis vierjährigen Kindern, die von ihren Eltern geschlagen wurden, war der IQ-Wert vier Jahre später um fünf Punkte niedriger als die nicht-geschlagenen Gleichaltrigen, während dieser Unterschied bei der etwas älteren Versuchsgruppe immerhin noch 2,8 Punkte betrug. Auch weitere, weltweite Erhebungen der Forscher brachten die gleichen Ergebnisse. So zeigte etwa ein Ländervergleich, dass hohe Raten von körperlicher Bestrafung bis ins Jugendalter den durchschnittlichen IQs der Gesamtbevölkerung senkt. Die Wissenschaftler fragten auch 17.000 Studenten in 32 Ländern, ob sie als Kinder geschlagen wurden. Auch hier wurde der Zusammenhang mit der Intelligenz deutlich.

Als Ursache für dieses Phänomen sehen die Studienautoren die Tatsache, dass Kinder bei körperlicher Bestrafung viel Stress empfinden. Werden Kinder regelmäßig geschlagen, begünstige das einen chronischen Stresszustand, der unter Umständen über Jahre andauere. Die Forschung zeigt, dass dieser Stress auch posttraumatische Stresssymptome wie übertriebene Angst vor schrecklichen Ereignissen oder leichtes Erschrecken auslösen kann, die die Entwicklung der Intelligenz beeinflussen.

"Wie sich die Intelligenz von Kindern entwickelt, wird von mehreren Faktoren bestimmt", erklärt die Wiener Gesundheitspsychologin Claudia Rupp. Beteiligt seien die genetischen Anlagen, die dem Kind zukommende Förderung und Bildung und das soziale Umfeld, jedoch auch die Art der Bindung zu seinen Bezugspersonen. "Kinder mit guter Bindung zu den Eltern lernen viel leichter. Gewaltanwendung oder Misshandlung bringt hingegen Unsicherheit oder Desorganisation in diese Beziehung und führt zu einem Stress, der Lernprozesse hemmt", so Rupp. Schädlich sei Gewalt in der Erziehung nicht nur dort, wo sie körperliche Verletzungen hinterlässt. "Allein die Tatsache, dass ein im Vergleich riesiger, älterer und mächtiger Mensch, der noch dazu als Elternteil wichtigste Quelle für Sicherheit und Geborgenheit ist, zuschlägt, ist für ein Kind schrecklich." Zwar sei es richtig, dass Kinder Grenzen brauchen, doch dürften diese nicht mit körperlicher Gewalt vermittelt werden. "Niemand wird durch Gewalt brav. Die psychische Verletzung bleibt hingegen lange bestehen", betont die Psychologin.

Das Zuschlagen bezeichnet Rupp als Ausdruck der Hilflosigkeit der Eltern. "Erziehung ist die schwerste Arbeit der Welt. Viele wollen ihre Kinder gar nicht schlagen, wissen sich jedoch in bestimmten Situationen nicht mehr zu helfen." Die Vorstellung einer "gesunden" Züchtigung sei ebenso falsch wie das von Eltern oft vorgebrachte Argument, dass die Schläge in der eigenen Erziehung auch nicht geschadet hätten. "Irgendwann kommt man vielleicht drauf, dass man doch seelischen Schaden erfahren hat, denn sonst bräuchte man nicht zu Gewalt greifen." Wenn die Situation eskaliert, rät die Psychologin den Eltern, professionelle Unterstützung in Beratungsstellen aufzusuchen. Hier könne man durch externe Hilfen genauer ansehen, warum es zum Zuschlagen kommt, wie es vermieden werden kann und welche besseren Reaktionen möglich sind. Ein besserer Umgang mit dem Thema gelinge, wenn es seine Scham verliere. "Statt Bestrafung für elterliches Fehlverhalten ist rechtzeitige und präventive Hilfe wichtig. Wer in der Erziehung Hilfe braucht, muss sie auch bekommen."

Foto: Willi Schewski, Pixelio