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Die "Lehrer-Hasser" formieren sich

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ImageDer Frust bei Eltern und Schülern nimmt zu, die Mitarbeit der Eltern an der Ausbildung ihrer Kinder auch. Sind Deutschlands Lehrer auf dem Weg zur unbeliebtesten Berufsgruppe?

Eine Szene aus einem deutschen Gymnasium: Die Englisch-Lehrerin teilt den Schülern ihre Noten mit. Am Ende der Stunde geht eine Schülerin nach vorne und fragt, ob sie statt der 2+ nicht lieber eine 1 haben könnte. Die Lehrerin nickt freundlich und stimmt zu. Andere Schüler wagen nun auch diesen Weg. Doch ihnen wird die Bitte, statt einer 5+ eine 4- zu bekommen, abschlägig erteilt.
Eine Chemielehrerin der gleichen Schule teilt einigen ihrer Schüler mit: „Ich könnte euch auch eine 4 geben, aber das mache ich nicht, ihr kriegt eine 5, weil ihr die zehnte Klasse sowieso nicht schafft.“
Sie selber macht Dienst nach Vorschrift. Ob die Kinder zuhören oder nicht, interessiert sie nicht. Sie nuschelt ihr Programm durch und geht nach Hause. Ist doch schließlich egal, wie der Schnitt der Klasse ist – ihr Gehalt bekommt sie ja trotzdem...
Die verzweifelten Appelle der Eltern, diese Lehrerin abzulösen, verhallen bei der Schulleitung. Was soll diese auch machen? Die Dame ist Beamtin und kann nicht entlassen werden.

Ähnlich dramatisch sieht es an einem anderen Gymnasium im Hamburger Stadtteil Othmarschen aus. Dort hat eine Lehrerin schon mehrere Generationen von Schülern und Eltern zur Verzweiflung getrieben. Sinnigerweise unterrichtet sie dann auch noch in der gleichen Klasse mehrere Fächer – null Chance für die Kinder, die sie nicht leiden kann.
Hier würde der von den Eltern-Protesten zermürbte Schulleiter angeblich gerne tätig werden – aber auch hier gibt es keine Möglichkeit – siehe oben. Wird ihr die Kritik zuviel, naht simsalabim die nächste Krankheit und damit der Unterrichtsausfall...

Eine Mutter von vier Kindern hat sich jetzt ihren jahrelangen Frust von der Seele geschrieben: Das „Lehrerhasserbuch“ (Untertitel: Eine Mutter rechnet ab, Verlag Knaur) spricht jetzt alles aus, was Schüler und Eltern schon lange in den Wahnsinn treibt. Lehrer, die die Namen ihrer Schüler nicht kennen, die selbstverständlich die Eltern als Hilfslehrer rekrutieren, die neue Themen kurz vor Klassenarbeiten beginnen, damit niemand merkt, dass sie mit dem Lehrplan hinterherhinken... Wie sehr sie den Nerv getroffen hat, zeigen auch die endlosen Kommentare, die auf der Seite dieses Buches bei www.booxtra.de stehen.

Der Krankenstand bei Lehrern ist mit 8,5 Prozent fast dreimal so hoch wie bei anderen Arbeitnehmern. Nur fünf Prozent der Lehrer halten bis zur Rente durch. Obwohl sie die höchstbezahlten Lehrer in ganz Europa sind, hört man sie immer nur klagen – und kritisieren darf man sie auch nicht.

Sicher gibt es Schulen, die man zu Recht als "sozialen Brennpunkt" bezeichnet, und wo das Unterrichten Stress pur bedeutet. Doch wenn man die Klagen der Lehrer hört, gewinnt man den Eindruck, dass es nur noch solche Schulen gibt...

Eine Umfrage an der Universität Dortmund hat ergeben, dass von 1993 bis 2004 der Anteil der Eltern, die volles Vertrauen zum Lehrer ihrer Kinder haben, von 46 auf 32 Prozent gesunken ist. Und in Berlin gründete sich gerade eine Elternpartei, die fordert, Lehrer sollten endlich nach Leistung bezahlt werden, nicht mehr nach Dienstjahren.

Diese Partei sollte vielleicht auch gleich fordern, dass der Beamtenstatus der Lehrer ganz abgeschafft wird. Denn wenn diese  auch mal um ihren Job zittern müssten, wenn sie keine Leistung zeigen, würden sie vielleicht mal wieder etwas Engagement zeigen und nicht große Teile ihrer Arbeit auf die Eltern abwälzen.

Foto: C. Nöhren