Die im Volksmund "Raucherlunge" genannte Krankheit COPD (Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung) schädigt auch das Herz - und zwar von Anfang an und bevor der Raucher seine Krankheit überhaupt bemerkt. Die Folgen für den Erkrankten sind dramatisch. Betroffen sind allein in Deutschland etwa fünf Millionen Menschen.
Die Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD), im Volksmund "Raucherlunge" genannt, gehört zu den häufigsten Todesursachen und betrifft allein im deutschen Sprachraum rund sieben Millionen Menschen (betroffen sind laut WHO-Schätzungen fünf Mio. Menschen in Deutschland, eine Mio. in Österreich und 350.000 in der Schweiz). „Die Dunkelziffer dürfte höher liegen, da viele Fälle zu spät erkannt werden und Hausärzte oft erst dann an den Lungenfacharzt überweisen, wenn der Patient ins Endstadium gelangt ist. In diesem Stadium befindet sich etwa ein Viertel der Erkrankten", so Jens Lingemann, Leiter der Koordinationsstelle Lungenemphysem-COPD Deutschland. Die Krankheit, deren Hauptursache das Rauchen ist, gilt als unheilbar, wobei man eine Verschlechterung bei optimaler Behandlung und günstigstem Verlauf stoppen kann. Doch dafür wäre eine rechtzeitige Behandlung nötig, um noch eine bestmögliche Lebensqualität und -erwartung sichern zu können. Kennzeichen sind Zerstörungen des Lungengewebes, Luftwegs-Verengungen, Dauerhusten und Schleim, während die Atemnot bei sonst problemlosen Aktivitäten als erstes Signal gilt. Der Alltag eines Patienten mit schwerem COPD-Lungenemphysem ist in hohem Ausmaß von der Erkrankung bestimmt. „Schon das Aufwachen ist von Atemnot begleitet, worauf man Medikamente einnimmt und erstmals zu Luft kommt. Alle Vorgänge wie etwa die Morgentoilette können nur langsam durchgeführt werden“, berichtet Lingemann, der selbst von der Krankheit betroffen ist. Medikamente, Hinsetzen und Atemholen begleiten auch die meisten restlichen Aktivitäten des Tages, wobei ein Gehwagen jeden Schritt begleitet. Einmal pro Woche steht Atemphysiotherapie am Programm, einmal im Jahr der Klinikaufenthalt zur Rehabilitation. Jetzt fanden Forscher vom US-amerikanischen Heart, Lung and Blood Institute (NHLBI) heraus, dass COPD nicht nur die Funktion der Lunge, sondern auch die des Herzens verschlechtert, und zwar von Beginn der Krankheit an. In der Zeitschrift New England Journal of Medicine berichten sie, dass Veränderungen im Herz sogar schon dann auftreten, bevor der Patient die ersten Symptome der COPD bemerkt.
"Schwere Fälle von COPD verschlechtern die Fähigkeit des Herzens, Blut zu pumpen. Nun wurde sichtbar, dass die Herzschädigung schon in milden Fällen der Krankheit auftritt oder sogar vor ihren ersten Symptomen", schreiben die Forscher um Graham Barr. Ein weiterer wichtiger Grund sei somit gefunden, warum COPD möglichst früh erkannt werden solle. Es sei denkbar, dass eine frühzeitige Therapie der Krankheit die Herzfunktion noch bessern und damit auch die Lebensqualität der Betroffenen erhöhen kann. "Fast alle COPD-Patienten leiden an Herzvergrößerung. Gelangt über die geschädigte Lunge zu wenig Sauerstoff ins Blut, muss das Herz schneller pumpen", erklärt Jens Lingemann. Er betont die hohe Bedeutung einer Früherkennung der Krankheit. "Die meisten bemerken erst, dass sie COPD haben, wenn diese bereits weit fortgeschritten ist und etwa der Hausarzt das Aufsuchen eines Lungenarztes anordnet. Dabei wird die Chance verspielt, noch rechtzeitig einzugreifen." Der Besuch des Lungenfacharztes sei unumgänglich, da Hausärzte COPD durch bloßes Abhören nicht feststellen könnten. "Dazu bedarf es sowohl einer Lungenfunktionskammer als auch eines Gerätes zur Blutgasanalyse", so der Experte.
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