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Impfen: Ja oder Nein?

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ImageRund 40 Millionen Mal lassen sich Menschen in Deutschland jedes Jahr impfen. Das Impfangebot richtet sich inzwischen nicht mehr nur gegen schwere, oft tödlich verlaufende Erkrankungen, sondern auch gegen eher harmlose Infektionen. Doch sind wirklich alle empfohlenen Impfungen notwendig?

In Deutschland besteht keine Impfpflicht. Jeder kann ohne Angabe von Gründen eine Impfung für sich oder sein Kind ablehnen. Dennoch drängen die öffentlichen Institutionen im Gesundheitswesen auf eine möglichst konsequente Umsetzung der Impfempfehlungen. Nur so ist nach Ansicht der Gesundheitsbehörden gewährleistet, dass die Allgemeinheit dauerhaft vor Seuchen geschützt wird. Doch Impfkritiker halten dagegen: Der Nutzen werde überschätzt, Nebenwirkungen und mögliche Langzeitfolgen würden verharmlost. Mittendrin stehen verunsichert die Eltern, die eine Impfentscheidung für ihre Kinder treffen müssen, ältere Menschen oder chronisch kranke Patienten, denen die Ständige Impfkommission (STIKO) spezielle Impfungen wie die jährliche Grippeimpfung empfiehlt, und sogar Personen, die eine Fernreise in eine Risikogebiet für bestimmte Infektionskrankheiten planen.

Die Geschichte des Impfens
Seit jeher versetzen Seuchen die Menschheit in Angst und Schrecken. Jährlich gibt es Millionen von Todesfälle. Früher waren die Pest und die Pocken dafür verantwortlich, heute sind es Aids, Malaria und die Tuberkulose. Der Wunsch des Menschen, sich vor diesen epidemisch auftretenden Infektionskrankheiten zu schützen, ist verständlich. Dank der sorgfältigen Erforschung der Krankheiten konnten einige Impfstoffe entwickelt werden. Doch nicht immer war die Impfstoffforschung von Erfolg gekrönt. Misserfolge und Rückschläge wie fehlende Wirksamkeit oder unerwartete Nebenwirkungen mussten in Kauf genommen werden. Hier liegt möglicherweise der Grund für die Skepsis gegenüber Impfungen, welche die Geschichte des Impfens von Beginn an begleitete. Auch wenn es manche eindrucksvolle Erfolge gab, so steht die Menschheit auch heute noch vor ungelösten Problemen. Gegen die Erreger von Aids, Tuberkulose und Malaria haben wir keine oder keine zufriedenstellenden Impfstoffe zur Verfügung. In vielen Entwicklungsländern dagegen, wo wegen der hohen Zahl an Krankheitsfällen z.B. Konjugatvakzinen zur Bekämpfung der eitrigen Hirnhautentzündung am dringendsten benötigt werden, sind diese nicht verfügbar.
 
So arbeitet das Immunsystem
Wird das Immunsystem eines Menschen erstmals mit einem bestimmten Krankheitserreger konfrontiert, mobilisiert es umgehend die unspezifische (angeborene) Immunabwehr: Es werden Abwehrzellen aktiviert, welche die Krankheitserreger aufnehmen und in ihrem Inneren einschließen („fressen“). Diese Fresszellen speichern die Merkmale der verdauten Erreger (Antigene) an ihrer Zelloberfläche und versuchen, eine Infektion so lange zu kontrollieren, bis die spezifische (erworbene) Immunabwehr greift. Nun kommen die Profis zum Einsatz: Die B-Lymphozyten, die als einzige Zellen in der Lage sind, Antikörper (Immunglobuline) zu bilden und die T-Lymphozyten, die für das Erkennen von Antikörpern verantwortlich sind. Letztere verwandeln sich z.T. zu Killerzellen, die genau die Erreger zerstören, deren Antigene zu ihrer Entstehung geführt haben. Sobald das Immunsystem erneut mit demselben Erreger in Kontakt kommt, machen schnell produzierte Antikörper, die vorher wiederum von den B-Lymphozyten gebildet wurden, und T-Killerzellen diesen sofort unschädlich. Eine Immunität liegt vor.  

ImageWas bei einer Impfung passiert
Das menschliche Immunsystem ist nicht perfekt. Manche Erreger haben gelernt, es zu überlisten. Bestes Beispiel: Grippeviren, die fast jedes Jahr ihre antigenen Eigenschaften ändern, sodass sie unseren Immunzellen in immer wieder neuen Formen als fremd erscheinen und aufs Neue bekämpft werden müssen. Manchmal arbeitet unser Immunsystem auch nicht schnell genug bei der Beseitigung der Krankheitserreger, sodass wir dennoch krank werden. Damit unser Körper den Kampf gegen böse Eindringlinge nicht verliert, benötigt er nicht selten Unterstützung und zwar in Form einer Impfung...
Man unterscheidet meist zwischen Aktiv- und Passivimpfung. Eine aktive Impfung (auch Immunisierung) zielt darauf ab, ein immunologisches Gedächtnis und damit eine spezifische Immunität zu erzeugen: Anhand von Impfstoffen aus abgeschwächten lebenden (Lebendimpfung) oder abgetöteten (Totimpfung) Krankheitserregern oder Teilen von ihnen sollen die Gedächtniszellen des Immunsystems das Erregerprofil speichern, um den Erreger bei einer Infektion sofort zu erkennen und unschädlich zu machen. Zu der Totimpfung zählt auch die Impfung mit Toxoidimpfstoffen, die z.B. gegen Diphtherie und Tetanus zum Einsatz kommen. Sie enthalten den von den Bakterien ausgeschiedenen Giftstoff (Toxid) in abgeschwächter Form. Damit der Impfschutz zuverlässig arbeitet, sind meist mehrere Gaben (Basisimpfung) in bestimmten Abständen notwendig. Bei einigen Infektionskrankheiten wird der Impfschutz einige Jahre später mit einer erneuten Impfung aufgefrischt (z.B. bei Tetanus). Bei der Passivimpfung wird der Impfschutz im Idealfall innerhalb weniger Stunden, spätestens aber binnen einiger Tage aufgebaut. Dem Organismus werden vorgebildete Antikörper (Immunglobuline) verabreicht, die von einem menschlichen oder tierischen Spender-Immunsystem produziert wurde. Es müssen keine Abwehrstoffe mehr gebildet werden. Die Passivimpfung kommt i.d.R. immer dann zum Einsatz, wenn eine nicht immunisierte Person einem gefährlichen Erreger ausgesetzt war. Leider hält die Wirkung nur wenige Wochen an, da die Antikörper rasch wieder abgebaut werden. Des Weiteren gibt es noch die Simultanimpfung, ein Mix aus beiden, die verabreicht wird, wenn z.B. bei einer Verletzung Tetanusgefahr besteht und eine Impfung schon lange zurückliegt.

Wirksamkeit und Verträglichkeit von Impfungen
Bevor ein Impfstoff zugelassen wird, muss er sehr strenge Sicherheitskontrollen durchlaufen und zudem eine Schutzrate von mindestens 80 Prozent aufweisen können. Wenn seine Wirksamkeit vom Impfhersteller durch größere Studien nicht nachgewiesen werden kann, erhält der Impfstoff keine Zulassung. Mittlerweile sind die modernen Impfstoffe gut verträglich. Dennoch kann man Nebenwirkungen nie völlig ausschließen. Häufige, aber unbedenkliche und nur vorübergehend andauernde Impfreaktionen im Bereich der Impfstelle sind Rötungen, Schmerzen und Schwellungen, schmerzhafte Verhärtungen oder Knoten an der Einstichstelle sowie Schwellungen der benachbarten Lymphknoten. Außerdem können mäßig hohes Fieber und grippeähnliche Symptome wie Abgeschlagenheit und Müdigkeit, Frösteln, Kopf- und Gliederschmerzen auftreten. Häufiger beobachtet werden zudem Magen-Darm-Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen. Alle diese Symptome zeigen jedoch lediglich an, dass das Immunsystem durch die Impfung aktiviert wurde. Von einer Impfkomplikation bzw. –schaden spricht man, wenn z.B. allergische Reaktionen an Haut oder Atemwege oder schlimmstenfalls sogar ein anaphylaktischer Schock auftreten. Bei letzterem ist die sofortige notärztliche Versorgung zur Stabilisierung der Vitalfunktionen erforderlich. Seltener treten zum Glück schwerwiegende Erkrankungen, evtl. sogar mit Dauerfolgen, auf. Dann ist besonders oft das zentrale oder periphere Nervensystem betroffen. Auch das Guillain-Barré-Syndrom, eine akute entzündliche Erkrankung der peripheren Nerven und Nervenwurzeln, kann ausgelöst werden, was dauerhafte neurologische Defizite zur Folge haben könnte. 

Harmlose Kinderkrankheiten gibt es nicht
Kommt ein Kind auf die Welt, wird den Eltern ein strikter Impfplan zum obligatorischen U-Heft ausgehändigt. Dabei handelt es sich – wie schon erwähnt – um Empfehlungen, die jedoch von der STIKO und bestimmt auch vom Kinderarzt jedem Elternpaar wärmstens ans Herz gelegt wird. Denn ohne Impfungen würden die Krankheiten, die manche Eltern heutzutage gar nicht mehr kennen, zurückkehren. Auch das Durchmachen der Infektionskrankheiten, was früher innerhalb der Familie gerne praktiziert wurde, ist riskant. Die vielleicht harmlos erscheinende Kinderkrankheit kann durchaus mit Komplikationen mit schwerwiegenden Folgeschäden oder schlimmstenfalls sogar dem Tod enden. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben z.B. weltweit jedes Jahr fast 500.000 Kinder an den Folgen einer Masern-Erkrankung. 200.000 bis 300.000 Tote (überwiegend Säuglinge) gibt es zudem durch Keuchhusten. Wer glaubt, dass Deutschland davon ausgenommen ist, irrt sich leider. Außerdem können auch Erwachsene die so genannten Kinderkrankheiten (Masern, Mumps und Windpocken) bekommen. Und die trifft es dann besonders schwer...

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