Mit dem Erwachsenwerden allein ist es oft nicht getan - manche Ängste, Probleme und Verhaltenweisen, mit denen wir uns als Kind geplagt haben, lassen uns ein Leben lang nicht wirklich los. So können sich viele Frauen nicht von der Rolle der "braven Tochter" lösen.
Diese Frauen wollen es auch noch im Erwachsenen-Alter jedem recht machen, allen gefallen, für jeden da sein: für die Freundin, den Ehemann, den Chef, die kranke Mutter. Sie selbst aber kommen dabei fast immer zu kurz. "Brave-Tochter-Syndrom" nennt das die Pädagogin und Paarberaterin Beate Scherrmann-Gerstetter. In der neuen Ausgabe von emotion erklärt sie, warum es entsteht und wie es sich abschütteln lässt. Frauen mit "Brave-Tochter-Syndrom" machen den Eindruck, "unendlich belastbar zu sein", sagt Scherrmann-Gerstetter. In Wirklichkeit aber seien sie abhängig von der Bestätigung durch andere. Bleibt diese aus, weil sie nicht mehr gebraucht werden, etwa wenn die Kinder aus dem Haus sind, entsteht "eine große Leere", die sich irgendwann auch zur Depression auswachsen kann. Als kleine Mädchen mussten viele ihre Eltern über Belastendes wie Todesfälle, Krankheiten oder Scheidungen hinwegtrösten und lernten darum früh, "durch Tüchtigkeit zu glänzen und sich selbst nicht so wichtig zu nehmen." Als Erwachsene opfern sie sich dann für ihren Partner auf, erwarten von ihm aber im Gegenzug all das, was ihnen als Kind gefehlt hat. Ein unerfüllbarer Wunsch, der schnell zu Beziehungskonflikten führen kann. Als Gegenmittel rät Scherrmann-Gerstetter zu mehr Egoismus. Denn: "Nur wer gelernt hat, für sich selbst zu sorgen, kann auch für andere sorgen." Foto: K. Sturm, Pixelio
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