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Kinder und Konsum: Wie viel "Marke" muss sein?

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ImageEin kurzer Blick in die meisten Kinderzimmer macht deutlich: Fernseher, Spielkonsole, PC, Markenklamotten, -schuhe und Co. gehören mittlerweile zur Standardausstattung bei den 12- bis 18-Jährigen. Doch wie viel Marke brauchen Kinder wirklich?

Insgesamt betrachtet, verfügen unsere Jugendlichen über eine gigantische Kaufkraft. Kein Wunder, dass die Wirtschaft diese hochattraktive Zielgruppe für verschiedenste Marken stramm im Visier hat.

Viele Eltern fördern – wenn auch z.T. unbewusst – schon früh den Marken-Trend: Am Anfang darf es das schöne (und teurere) Spielzeug von HABA oder die edle Baby-Bettwäsche von Jacadi sein, dann folgen die ersten - natürlich supersüßen - Baby-Nike-Turnschühchen in Größe 17, und warum ein schnödes Bobby-Car nehmen, wenn es das Rutschauto auch im Mercedes-Look gibt. Und so setzt sich die Entwicklung fort. Auf den Frühstückstisch kommt keine no Name-Nuss-Nougat-Creme, sondern „Nutella“, 13-Jährige haben im Bad bereits ihre eigene Kosmetikproduktlinie stehen und wenn eine Jeans gekauft werden soll, dann bestimmt keine beim Discounter.

Angst vor Ausgrenzung in der Schule
In vielen Schulen herrscht das Motto: Kleider machen Leute. Wer die „richtige“ Marke trägt, gehört dazu. Wer sich auf dem Schulhof in einer No-Name-Jeans blicken lässt und statt einer Coke eine Billig-Brause schlürft, der ist schnell uncool und landet im Abseits. Doch viele Eltern können – oder wollen – hier nicht mitmachen. Aber die Angst der Kids vor drohender Ausgrenzung ist groß und der Gruppenzwang tut sein Übriges. ImageDeshalb führt diese Form des Mobbings bei den Betroffenen immer öfter zur Verschuldung oder zum kriminellen Verhalten: Das Stehlen von Kleidung, Handys oder Geld nahm in den letzten Jahren dramatisch zu. Um für mehr Gleichheit an den Schulen zu sorgen, kommt auch immer wieder die Frage nach Schuluniformen ins Gespräch kommt. Doch bis jetzt ist sie nur an einigen wenigen Schulen in Deutschland eingeführt worden.

Geschenke und Geld statt Liebe und Zeit
Meist sind es Schuldgefühle, die Eltern dazu verleiten, materiell das auszugleichen, was sie den Kindern an natürlichen Grundbedürfnissen (z.B. Liebe, Zeit des Zusammenseins mit ihren geliebten Bezugspersonen, Ansprache) nicht oder nur eingeschränkt bieten können. Wenn den Jugendlichen das Geld ausgeht, heißt es Betteln oder Nörgeln bei den Eltern. Und dies oft mit Erfolg: Die Gestressten zücken die Börse und Ruhe ist. Und so lernen die Kleinen schon früh, dass Materielles Liebe ersetzen kann. Ein Kind, dem alle Wünsche erfüllt werden, ist schon bald so verwöhnt, dass es immer mehr Forderungen stellt und den einzelnen Wert eines Geschenks kaum noch wahrnimmt. Die Vorfreude existiert nicht mehr – Wunscherfüllung ist ja garantiert - und auch die Freude an sich hält meist nur kurz an. Das Persönliche bzw. das Besondere fehlt…

Wie kommt man heraus aus der Konsumfalle?
Ganz verkehrt wäre jetzt, den Konsumrausch der Kids mit plötzlichen Verboten, einer Reduzierung des Taschengelds oder ähnlich massiven Einschränkungen beikommen zu wollen. Schwere Auseinandersetzungen und tränenreiche Stunden wären die Folge, und abgesehen von verhärteten Fronten hätten Sie letztendlich gar nichts gewonnen. Vielversprechender scheint es da, eher mit ganz kleinen Schritten leichte Veränderungen vorzunehmen oder noch besser: dem Nachwuchs mit gutem Beispiel voranzugehen und dem Kind – am besten schon von klein auf an – andere Werte vorzuleben: Ausflüge ins Grüne statt Shoppingtouren, lieber mit dem Papa eine Stunde Bolzen als vor der Flimmerkiste zu hocken usw. Und wenn alle Klassenkameraden ein Handy besitzen, dann sollten Sie auch Ihrem Filius eines gewähren, allerdings mit einer Chipkarte für zehn Euro pro Monat, damit er gleichzeitig auch das Haushalten mit Geld und Besitz lernen kann. Und grämen Sie sich nicht, falls es dann doch genau die neue „Diesel“ sein muss, die eben „alle, aber wirklich alle derzeit haben“. Ein schlauer Kopf klagte einst: „Die Jugend liebt heute den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt mehr vor älteren Leuten und diskutiert, wo sie arbeiten sollte. Die Jugend steht nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern und tyrannisieren die Lehrer.“ (Sokrates, 469 – 399 v. Chr.)

Erzieherische Ratschläge aus dem Konsum-Dilemma:
* Seien Sie ein Vorbild, und gehen Sie mit gutem Beispiel voran!
* Nehmen Sie sich genug Zeit für Ihren Nachwuchs? Jede Minute mehr bringt mehr…
* Wählen Sie Ihre gemeinsame Freizeit möglichst „markenfrei“ (z.B. Fahrt ins Grüne oder
   an den Strand, Kanu fahren, Angeln gehen)
* Dem Kind nicht alle Wünsche erfüllen
* Das Selbstbewusstsein des Kindes früh stärken und den Mut zum Nein-Sagen fördern
  (gut gegen den Gruppenzwang)
* Alternativen zum PC und Fernseher bieten (z.B. Sport, Ausflüge, Spiele)
* Kein Geld für Hilfsdienste in der eigenen Familie! Die müssen selbstverständlich sein
* Kommunikation ist alles: Was bewegt Ihr Kind? Probleme in der Schule u.a.? Lernen 
   Sie, Ihrem Kind zuzuhören! Sprechen Sie mit ihm über alles und jeden, vermitteln Sie neue
   Werte, nehmen Sie es ernst!